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11.03.2016: Pressemitteilung

Osnabrück: Sieg mit sieben Fehlern

Erleichtertes Aufatmen war im Bohnenkamp-Haus im Botanischen Garten zu hören, als das Diktat zu Ende war. „Da waren Wörter dabei, die habe ich noch nie geschrieben“, sagte eine ältere Teilnehmerin zu ihrem Nachbarn. Und der nickte. Es waren 204 Wörter, die es in sich hatten bei der zweiten Auflage des Großen Diktatwettbewerbs in Osnabrück, zu dem die Friedel & Gisela Bohnenkamp-Stiftung eingeladen hatte. 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer stellten sich den Fragen nach der richtigen Schreibweise, darunter Oberstufenschüler, Lehrer, Eltern und weitere Gäste aus Osnabrück und dem Landkreis.

Fehlerfrei war niemand. Mit nur sieben Fehlern siegten Thomas Allewelt und Andreas Schreiber in der Kategorie „Lehrer“, dieses Ergebnis erzielte auch Sylke Ditting bei den Eltern. Ditting und Allewelt sind bereits im vergangenen Jahr siegreich dabei gewesen. Bei den Schülern war Imke Ortland mit zwölf Fehlern Spitzenreiterin, Brigitte Brünemann-Kämper siegte mit neun Fehlern in der Kategorie „Publikum“. Die Herausforderung begann gleich am Anfang des Diktats. Denn ob es „Herzlich Willkommen“ oder „Herzlich willkommen“ heißt, darüber musste mancher sichtbar grübeln. Nicht jeder entschied sich dann für die zweite Variante in der Überschrift des eigens für den Wettbewerb in Osnabrück von der Duden-Redaktion verfassten Textes.

„Ich freue mich, dass sich dieses Mal noch mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer dem Wettbewerb gestellt haben, als beim ersten Durchlauf im vergangenen Jahr“, sagte Michael Prior, der Geschäftsführer der Bohnenkamp-Stiftung. Die Stiftung hat die Idee des Wettbewerbs aufgegriffen, der von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main entwickelt worden war. Dort wird er dieses Jahr bereits zum fünften Mal durchgeführt.

„Mit einem handgeschriebenen Liebesbrief punktet man auch heute noch mehr, als mit einer Whats-App-Nachricht“, meinte Prior und verwies kurz darauf auf die Bedeutung der richtigen Schreibweise bei Bewerbungen. Prof. Dr. Christina Noack hob ebenfalls die Wichtigkeit korrekter Orthografie bei der Verständigung hervor, auch wenn es heute Bereiche gäbe, in denen die Regeln untergeordnet seien, beispielsweise in Internetforen: „Da wird vor allem auf Verständlichkeit geachtet, allerdings auch gegen die Regeln“, sagte die Germanistin der Universität Osnabrück. Sie hatte erneut das Diktat vorgelesen und stand zudem der elfköpfigen Jury vor, die die eingesammelten Texte prüfte und die Sieger feststellte.

Währenddessen zeigte das Theater Osnabrück, was man mit Sprache alles anstellen kann. In lebhaften Szenen rezitierte Jacques Freyber Gedichte des Dadaisten Kurt Schwitters. Marius Lamprecht verdeutlichte in der Rolle des John Donne, dass es bereits im 16. Jahrhundert in England sprachlich mächtig zur Sache ging. Der Poetry-Slammer Florian Wintels begeisterte das Publikum mit Texten aus seiner persönlichen Welt als Student, Freund und Liebhaber.

Bei der Siegerehrung erhielten die Teilnehmer nicht nur eine Urkunde und Büchergutscheine, sondern auch eine Einladung nach Frankfurt am Main. Dort findet am 14. Juni 2016 das überregionale Finale statt. Dann schreiben sie ein Wettbewerbsdiktat gemeinsam mit den besten Kandidaten aus den anderen Teilnehmer-Städten. Denn dieses Jahr wird der Große Diktatwettbewerb auch in Hamburg, Münster, dem Rhein-Pfalz-Kreis und Wiesbaden durchgeführt. Thomas Allewelt will in Frankfurt wieder dabei sein und möchte sich verbessern. „Ich hatte mir vorgenommen, einen Punkt besser zu sein als im vergangenen Jahr. Es wurmt mich, dass es nicht geklappt hat“, sagt der Lehrer des Osnabrücker Gymnasiums „In der Wüste“.